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Veranstaltung

Erika Maier: Einfach Leben (Lesung)

 

Rosas Salon, Brüssel, 27. Mai 2009

 

Sprache: Deutsch; Musik von Shirly Laub

Organisation: Rosa Luxemburg Stiftung Büro Brussels

Kontakt: Anna Striethorst


Die Autorin liest Doppelbiographien aus Ost- und Westdeutschland. Zu den internationalen Spitzenköchinnen gehören Ilona Lücke und Christel Riemer sicher nicht, aber auf ihre Bratkartoffeln lassen ihre Gäste nichts kommen. Das war schon vor 25 Jahren so, als die eine noch im Gästehaus der DDR-Regierung zu den Bratkartoffeln selbstgemachte Schweinskopfsülze reichte und die andere in der Hildesheimer „Krummen Rotwurst“ für Christels Sauerfleisch berühmt wurde. Ihre Lebenswege sind ganz unterschiedlich. Als die Grenze aufging, brach für Ilona Lücke eine Welt zusammen, während sich Christel Riemer aufrichtig freute, dass diese Drecksmauer endlich weg war. Heute sind sie Köchin, Unternehmerin, Reinigungsfrau und ab und an Sozialtherapeutin im eigenen Restaurant – die eine im Sonneberger „Bügeleisen“, die andere im „Alten Landhaus Meerdorf“. Beide sagen, dass du als Wirtin nur bestehen kannst, wenn du alles gibst und dein Hobby zum Beruf machst. Reich wirst du dabei nicht – weder hüben noch drüben. In diesem Buch erzählen Menschen aus Ost und West, Ärztinnen aus Meiningen und Augsburg, Architektinnen aus Marzahn und Kreuzberg und zehn andere Kollegen-Paare über ihre Lebenspläne, ihre Ideale und Träume und ob sich diese erfüllt haben. Da gab es Chancen und Grenzen – hüben wie drüben. Der eine konnte die Chancen nutzen und seine individuellen Lebensentwürfe verwirklichen. Der andere ist an Grenzen gestoßen und hat unter ihnen gelitten. Auch das – hüben wie drüben.


Erika Maier, geb. 1936 in Dresden wurde 1969 mit 32 Jahren eine der jüngsten Professorinnen der DDR. Nach Abwicklung der Hochschule für Ökonomie Berlin, an der Erika Maier über 30 Jahre forschte und lehrte, erarbeitete sie Markt- und Standortanalysen für Unternehmen und Institute. Ab 1995 war sie mehr als zehn Jahre für die Linkspartei.PDS in der Kommunalpolitik tätig: Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf von Berlin, Initiatorin von Projekten und Bürgerinitiativen, Publikationen. Ihr ehrenamtliches Engagement wurde 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.


Bericht zur Veranstaltung

 

Einen kulturellen linken Beitrag zur eher politisch geprägten Brüsseler EU-Szene zu leisten und interessante Persönlichkeiten vorzustellen – dies hatte sich das Brüsseler Büro der RLS auf die Fahnen geschrieben, als Ende Mai erstmals „Rosas Salon“ seine Pforten öffnete.


Zum Auftakt der ab nun monatlichen stattfindenden Veranstaltungsreihe las die Berliner Autorin Erika Maier am 27. Mai aus „Einfach Leben – Hüben wie Drüben“. In ihrem erstmals 2007 erschienenen Buch hat die Autorin zusam-men mit ihrem Mann Wilfried Biographien von Menschen aus Ost- und West-deutschland gesammelt. Das Besondere daran ist, dass Maier jeweils zwei VertreterInnen einer Berufsgruppe gegenüber stellt: Ärztinnen, Offiziere, Handwerker, Köchinnen, die ihre Lebenspläne, Träume und Erlebnisse auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze beschreiben.

 

In ihrer Lesung ging Maier vor allem auf das Transformationsjahr 1989 und die rasanten Veränderungen in der ersten Hälfte der 90er Jahre ein. Ihre Ge-schichten erzählen von genutzten und vertanen Chancen, von überwundenen Grenzen und von plötzlichen Brüchen in zuvor stabilen Erwerbsbiographien, sei es durch Arbeitslosigkeit oder durch eine nötig gewordene berufliche Neu-orientierung. Davon sprechen in Maiers Buch allerdings in erster Linie die In-terviewten aus Ostdeutschland; für die Westdeutschen war die Wendezeit eher von Neugier und Staunen über das Schicksal anderer und weniger von eigenen Erlebnissen geprägt.

 

In der anschließenden Diskussion wurde jedoch auch deutlich, dass sich alle Anwesenden von dem zeitgeschichtlichen Ereignis „Wende“ betroffen fühlten, selbst wenn sie 1989 noch Kinder waren oder schon seit langem nicht mehr in Deutschland leben. Wiederholt wurde davor gewarnt, trotz der zahlreichen Überschneidungen persönlicher Erfahrungen nicht in die alten Klischees zu verfallen, die auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch das Bild von „Ossi“ und „Wessi“ prägen.


Weiterführende Informationen:


>> Vorwort Einfach Leben