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Artikel

Die Widersprüche linker und progressiver Regierungen in Lateinamerika angesichts der Zivilisationskrise

 

Von Edgardo Lander, April 2010 (Deutsch, Englisch)

 

In seinem Beitrag geht Edgardo Lander der Frage nach, in welchem Maße die sogenannten linken oder "fortschrittlichen" Regierungen Lateinamerikas Alternativen zum kapitalistischen Zivilisationsmodell und seinem Verhältnis zur "Natur" entwickeln. Edgardo Lander ist venezolanischer Soziologe, Professor an der Universidad Central de Venezuela und assoziiert mit dem Transnational Institute (TNI).

 

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Aus dem Text:

 

"Die Zivilisationskrise und die Grenzen, an die der Planet geraten ist, erfordern radikale Alternativen zum Paradigma des Fortschritts und der Ausbeutung der Natur. Eine antikapitalistische Perspektive ist unerlässlich. Die kapitalistische Akkumulationslogik erzwingt eine ständige Expansion des Kapitals in neue Gefilde; der Prozess kapitalistischer Landnahme erfolgt durch die Aneignung neuer "Ressourcen": Energieträger, Märkte und Arbeitskräfte.

 

Dieses Modell grenzenlosen Wachstums ist mit menschlichem Leben auf diesem Planeten nicht länger vereinbar. Doch Antikapitalismus allein reicht nicht aus. Obwohl Kapitalismus das wirkmächtigste historische Beispiel für die Ausbeutung einer Gesellschaft, für ungehemmtes Wachstum und die Vernichtung der Lebensgrundlage darstellt, wirkt diese Logik über den Kapitalismus hinaus. Das sowjetische Beispiel hat gezeigt, dass auch eine Gesellschaft ohne Privateigentum entwicklungszentriert, produktivistisch und räuberisch sein kann.


Wir können "Gesellschaft" nicht länger als etwas von der "Natur" getrenntes denken und wir können nicht länger eine Haltung der Wirtschaft akzeptieren, die die materiellen Grundlagen der Produktion ignoriert. Damit stehen wir vor allem vor der Krise eines Erkenntnismodells, das den Anspruch auf Universalität, Allgemeingültigkeit und Totalität erhoben hat und mit dem die Menschheit durch Vergegenständlichung und Verdinglichung die Welt sowohl erschaffen als auch zerstört hat..."